Statamic oder WordPress: Wann sich ein Flat-File-CMS lohnt

Veröffentlicht am Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit
Kurzantwort

Für die meisten Unternehmenswebsites ist Statamic die bessere Wahl: Inhalte bleiben strukturiert, Code und Inhalte werden gemeinsam in Git versioniert, und auch mehrsprachige Websites mit mehreren Redakteuren lassen sich schlank umsetzen. Eigene Funktionen ergänzen Sie mit Laravel in derselben Codebasis. WordPress liegt vor allem dann nahe, wenn viele fertige Plugins genutzt werden sollen und viele Personen Seiten ohne Entwickler gestalten.

Was ist ein Flat-File-CMS?

Ein Flat-File-CMS speichert Inhalte in Dateien statt in einer Datenbank. Bei Statamic sind das in der Standardkonfiguration Markdown- und YAML-Dateien im Projektordner. Statamic liest diese Dateien ein und baut daraus einen Index, den sogenannten Stache, der im Cache der Laravel-Anwendung liegt. Der Stache lässt sich jederzeit löschen und neu aufbauen, ohne dass Inhalte verloren gehen.

WordPress arbeitet anders: Beiträge, Seiten und viele Einstellungen liegen in einer Datenbank. WordPress empfiehlt dafür aktuell MySQL ab Version 8.0 oder MariaDB ab Version 10.11.

Was das im Alltag bedeutet

  • Versionierung: Inhalte, Templates und Konfiguration liegen bei Statamic gemeinsam in einem Git-Repository. Änderungen sind nachvollziehbar und lassen sich zurücknehmen.

  • Deployment: Eine neue Version der Website besteht aus Code und Inhalten in einem Stand. Es gibt keinen separaten Datenbank-Export, der zum Code passen muss.

  • Datenbank optional: Statamic kann Inhalte bei Bedarf auch in einer Datenbank speichern. Dafür gibt es einen offiziellen Eloquent-Treiber, und der Weg zurück zu Dateien ist ebenfalls dokumentiert.

Statamic und WordPress im Überblick

Kriterium

Statamic

WordPress

Speicherung

Dateien (Markdown, YAML), optional Datenbank

Datenbank (MySQL oder MariaDB)

Technische Basis

Paket für das PHP-Framework Laravel

Eigenständige PHP-Anwendung

Lizenz

Core kostenlos, Pro kostenpflichtig pro Website

Open Source unter GPLv2 (oder später)

Erweiterungen

Addons und eigene Entwicklung in Laravel

Großes Verzeichnis an Plugins und Themes

Versionierung von Inhalten

Über Git, auf Wunsch automatisiert

In der Datenbank, Git meist nur für Code

Wann sich Statamic lohnt

Strukturierte Unternehmenswebsites

Viele Unternehmenswebsites bestehen aus einer überschaubaren Zahl an Seiten, Leistungen, Referenzen und Artikeln. Mit Blueprints legen Sie fest, welche Felder ein Inhaltstyp hat. Redakteurinnen und Redakteure füllen dann genau diese Felder aus, statt Layouts frei zusammenzubauen. Das hält die Website über Jahre konsistent.

Wenn Code und Inhalte gemeinsam versioniert werden sollen

Wer mit Git arbeitet, profitiert davon, dass Inhalte im selben Repository liegen wie der Code. Statamic kann Änderungen aus dem Control Panel automatisch committen und auf Wunsch pushen. Diese Git-Integration im Control Panel ist Teil der Pro-Lizenz.

Wenn die Website mit einer Laravel-Anwendung zusammenarbeitet

Weil Statamic ein Laravel-Paket ist, lassen sich Website und individuelle Funktionen – etwa ein Kundenportal, Formulare mit Geschäftslogik oder Schnittstellen – in einer gemeinsamen Codebasis umsetzen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem System, bei dem individuelle Funktionen als Plugin neben dem Kern entstehen. Mehr dazu auf unserer Seite zur Laravel-Entwicklung.

Mehrsprachige Websites mit mehreren Redaktionsteams

Mit Statamic Pro verwalten Sie mehrere Sprachen oder Länderseiten in einer Installation. Über Rollen und Berechtigungen legen Sie fest, wer welche Inhalte und welche Sprachversion bearbeiten darf – zum Beispiel ein eigenes Team pro Sprache. Auch umfangreiche mehrsprachige Unternehmenswebsites brauchen dafür kein schwergewichtiges Enterprise-CMS.

Wenn wenige Erweiterungen von Drittanbietern genügen

Jede Erweiterung ist zusätzlicher Code, der gepflegt und aktualisiert werden muss. Das gilt für beide Systeme. Die offizielle WordPress-Dokumentation zur Absicherung empfiehlt ausdrücklich, Plugins immer aktuell zu halten und nicht genutzte Plugins zu löschen. Kommt eine Website mit wenigen, gezielt ausgewählten Erweiterungen aus, sinkt der laufende Pflegeaufwand – unabhängig vom CMS.

Wann WordPress naheliegt – und was Sie bedenken sollten

  • Fertige Funktionen ohne Entwicklungsbudget: Wenn benötigte Funktionen als etabliertes Plugin existieren und keine individuelle Entwicklung geplant ist, ist WordPress oft der schnellere Weg. Müssen mehrere Plugins kombiniert oder angepasst werden, lohnt sich der Vergleich mit einer individuellen Lösung auf Basis von Statamic und Laravel.

  • Freie Seitengestaltung durch viele Personen: Wenn ein größeres Team ohne Begleitung durch Entwickler eigene Layouts bauen soll, passt ein System mit Page-Buildern und Themes besser. Statamic bietet mit flexiblen Inhaltsbausteinen ebenfalls Gestaltungsspielraum, allerdings innerhalb eines festgelegten Designs.

  • Vorhandenes Know-how: Wenn Ihr Team oder Ihr Dienstleister WordPress bereits zuverlässig betreut, ist ein Systemwechsel nur mit einem klaren Grund sinnvoll.

Und die Ladezeit?

Wie schnell eine Website lädt, hängt weniger vom CMS selbst ab als von Templates, Bildern, Erweiterungen, Hosting und Caching. Statamic bringt ein eingebautes Static Caching mit: Im sogenannten „Full Measure“-Modus werden Seiten als fertige HTML-Dateien abgelegt und direkt vom Webserver ausgeliefert, ohne dass PHP pro Aufruf arbeiten muss. Bei WordPress wird Caching in der Regel über Plugins oder auf Server-Ebene gelöst. Beide Wege können zu sehr schnellen Websites führen – entscheidend ist, dass Caching und Invalidierung sauber konfiguriert sind.

Grenzen eines Flat-File-CMS

Ein Flat-File-CMS ist kein Selbstzweck. Diese Punkte sollten Sie vor der Entscheidung kennen:

  • Sehr große Inhaltsmengen: Bei sehr vielen Einträgen kann eine Datenbank die passendere Ablage sein. Statamic bietet dafür den Wechsel in eine Datenbank über den Eloquent-Treiber an.

  • Änderungen auf dem Live-Server: Werden Inhalte im Control Panel auf dem Produktivserver bearbeitet, müssen diese Dateien wieder ins Repository gelangen. Dafür braucht es einen klaren Ablauf, zum Beispiel die Git-Automatisierung.

  • Deployment-Routine: Nach einem Deployment sollte der Stache aktualisiert werden, etwa mit php please stache:refresh, damit neue Inhalte sofort verfügbar sind.

  • Lizenzkosten: Mehrere Benutzerkonten, Mehrsprachigkeit, Revisionen und die Git-Integration setzen Statamic Pro voraus. Die aktuellen Preise nennt der Hersteller auf seiner Preisseite.

Statamic, Laravel oder TYPO3: Was passt wann?

  • Statamic ist unsere Standardempfehlung für Unternehmens-, Marketing- und mehrsprachige Websites mit strukturierten Inhalten – auch mit mehreren Sprachen und Redaktionsteams.

  • Laravel kommt dazu, wenn Ihre Website eigene Funktionen braucht: Kundenportale, Buchungs- oder Konfigurationslogik, Workflows und Schnittstellen zu ERP, CRM oder anderen Systemen. Weil Statamic auf Laravel aufbaut, entsteht beides in einer Codebasis.

  • TYPO3 empfehlen wir nur, wenn das Projekt es wirklich verlangt: bei einer bestehenden TYPO3-Installation, bei sehr großen Portalen mit vielen Websites und komplexen Rechtestrukturen oder wenn Ihre Organisation TYPO3 vorgibt. Für die meisten Projekte ist es mehr System, als nötig ist.

Entscheidungshilfe in fünf Fragen

  1. Wer pflegt die Inhalte – und wie viele Personen sind das?

  2. Wie stark sind Ihre Inhalte strukturiert, und wie viel gestalterische Freiheit brauchen Redakteure?

  3. Gibt es Funktionen, die zwingend als fertiges Plugin verfügbar sein müssen?

  4. Wer betreut die Website technisch, inklusive Updates und Deployments?

  5. Soll die Website mit eigener Software, etwa einer Laravel-Anwendung, verbunden werden?

Laufen Ihre Antworten auf „klare Struktur, betreute Redaktion, technische Betreuung vorhanden“ hinaus, ist Statamic die passende Wahl. Brauchen Sie zusätzlich eigene Funktionen, ergänzen wir die Website mit Laravel.

Fazit

Statamic und WordPress lösen dasselbe Grundproblem auf unterschiedliche Weise. Für die meisten Unternehmenswebsites ist Statamic die bessere Wahl: Inhalte sind strukturiert, Code und Inhalte werden gemeinsam versioniert, die Website bleibt mit wenigen Erweiterungen gut wartbar, und eigene Funktionen lassen sich mit Laravel in derselben Codebasis ergänzen. WordPress bleibt naheliegend, wenn fertige Plugins und freie Gestaltung durch viele Personen ohne Entwicklerbegleitung im Vordergrund stehen.

Statamic ist bei stella.projects das bevorzugte CMS für Websites, Laravel unser Framework für individuelle Funktionen. Mehr dazu finden Sie auf unseren Seiten zur Statamic Webagentur und zur Laravel Webagentur. Wenn Sie wissen möchten, was zu Ihrem Vorhaben passt, sprechen Sie uns direkt an – die Erstberatung ist kostenfrei und unverbindlich.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

  • Statamic Core ist kostenlos nutzbar, aber unter anderem auf ein Admin-Benutzerkonto und ein Formular beschränkt. Für mehrere Benutzer, Mehrsprachigkeit, Revisionen oder die Git-Integration im Control Panel ist eine kostenpflichtige Pro-Lizenz pro Website nötig. Die aktuellen Preise stehen auf statamic.com/pricing.

  • Nein, in der Standardkonfiguration nicht. Inhalte liegen als Dateien im Projekt. Wer Inhalte dennoch in einer Datenbank speichern möchte, kann den offiziellen Eloquent-Treiber verwenden.

  • Ja. Mit Statamic Pro verwalten Sie mehrere Sprachen oder Länderseiten in einer Installation. Über Rollen und Berechtigungen steuern Sie, wer welche Inhalte und Sprachversionen bearbeiten darf.

  • Statamic benötigt laut Dokumentation PHP ab Version 8.3, Composer und einige übliche PHP-Erweiterungen. WordPress empfiehlt PHP ab Version 8.3 sowie MySQL ab 8.0 oder MariaDB ab 10.11 und HTTPS-Unterstützung.

  • Ja. Inhalte, Bilder und Weiterleitungen müssen dabei übertragen werden. Der Aufwand hängt vor allem davon ab, wie viele Plugins und individuelle Strukturen die bestehende Website nutzt.

Quellen
  1. Statamic Docs: Stache
  2. Statamic Docs: Storing Content in a Database
  3. Statamic Docs: Git Automation
  4. Statamic Docs: Multi-Site
  5. Statamic Docs: Users, Roles & Permissions
  6. Statamic Docs: Static Caching
  7. Statamic Docs: Requirements
  8. Statamic: Pricing
  9. WordPress.org: Requirements
  10. WordPress.org: License
  11. WordPress Developer Resources: Hardening WordPress
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